Künstler: R. Hood
Titel: Planet Hood Vol. 1 – Parcelle De Lumière
Label/Vertrieb: Quartier Bon Son/Fontastix
Format: MP3/CD
Jahr: 2011
Webseite: quartierbonson.ch
Planet Hood? ‘Die Welt ist eine Hood’ und so? Nicht ganz. R. Hood, mit vollem Künstlernamen Robin Hood, ist einer von drei MC’s beim Neuenburger Quartier Bon Son. Planet Hood Vol. 1 – Parcelle De Lumière ist sein erstes Solo und wird demnächst ergänzt durch L’Amour Et La Guerre seines Kollegen Sagres. Stimmlich ist R. Hood ein souveräner MC, fast ein bisschen an den allseits geschätzten Dany Dan von den Sages Poètes De La Rue erinnernd.
Hood ist ein Rapper, der sich nicht versteckt, das würde man auch ohne den Opener Parole A Coeur Ouvert raushören. Zu erwarten sind allerdings weniger persönliche Bekenntnisse als generelle Betrachtungen über den Ausschnitt der Welt, über den sich der in Kinshasa geborene Neuenburger Überblick verschafft hat. Zu seinem Universum gehört zur Zeit auch die Université de Neuchâtel, wie auf dem CD-Cover angedeutet wird. In deren Bibliothek wurde das Video zu Notre Point D’Honneur gedreht, in welchem sich Hood und Gast Stigma, beide auch auf die arabischen Revolutionen verweisend, Gedanken zum Weltgeschehen machen und ihrer eigenen Werte erinnern.
Hoods humanistische Grundhaltung kommt ebenfalls in Children zum Ausdruck, dem anderen Video-Track, als schöner Kontrast zu Notre Point D’Honneur gedreht im Senegal, wo Quartier Bon Son im April am Festival Rapandar auftraten. Der Reggae-Vibe (NERD ALERT: unterstützt von einem vor Urzeiten von U Know Who verwendeten Sample – kurioserweise für den Track Robbin’ Hood) passt gut zum Plädoyer für die schwächsten Mitglieder der globalen Gesellschaft.
R. Hood denkt gerne in grossen Zusammenhängen, davon zeugen P.L.H., Parcelle De Lumière, Vision Alpha und Reste A L’Ecoute. Letztere zwei verweisen auf 2012 als Schicksalsjahr, esoterische Anleihen, die der Rapper eigentlich nicht nötig hätte. Diese Tracks unterscheiden sich vor allem musikalisch. Auf dem elektronisch angehauchten Reste A L’Ecoute und dem Power-Pop-inspirierten Vision Alpha erleben wir, wie Hood seine Performance den Gegebenheiten anpassen kann. P.L.H. verwendet einen vertrauten Funk-Basslauf, dem Hoods engagierter Flow, aufgelockert durch gesungene Passagen, problemlos folgt, während Parcelle De Lumière reich instrumentiert ist, von der einleitenden Orgel über gescratchte Vocals bis zum abschliessenden Sololauf einer Stromgitarre.
Das an und für sich interessante, musikalisch risikofreudigere H2O Style leidet unter dem altbekannten Phänomen, dass Rapper einfach nicht die Klappe halten können und jede Sekunde eines Stücks mit einer x-fach wiederholten Hook zulabern müssen. Besser macht er’s auf dem R&B-Joint Rien De Tel, wo er Sängerin Armelle genügend Raum lässt und wie erwartet seinen Flow wieder eine Nuance geschmeidiger bringt. Der einzig verbürgte Production Credit ist übrigens DJ Liquid C (Notre Point D’Honneur), welcher aus umrahmenden Harfenklängen, einem kleinen Orgelspiel und dicken Drums einen klassisch frankophonen Hip-Hop-Track baut. Abgeschlossen wird das ganze vom 90er Throwback Lâche Du Lest mit Sagres.
Es kommt im Rap des öfteren vor, dass konzeptionelle Titel, Serienanfänge („Vol. 1″) und ähnlich grosse Ankündigungen nicht unbedingt eingelöst werden. Planet Hood Vol. 1 – Parcelle De Lumière kommt da vergleichsweise stimmig rüber als zukunftsgerichtetes, optimistisches Album von einem Rapper, der noch nicht alles gesagt hat. Fehlende Experimentierfreudigkeit wird wettgemacht durch eine breite musikalische Palette und eine solide Umsetzung.
Interview auf Radio Fréquence Jura
R. Hood f. Masta Vilo – Children
R. Hood f. Stigma – Notre Point D’Honneur




