Künstler: khaderbai
Titel: krüml no.01 – d’schildchrodd
Plattform: Bandcamp
Format: MP3/CD
Jahr: 2011
Webseite: www.hausundbaum.ch
Beatbastler können, was Rappern partout nicht gelingen will – die Musik für sich selbst sprechen lassen. Nicht alle haben allerdings auch den Mut dazu, weshalb gestandene Hip-Hop-Produzenten kaum Instrumental-Projekte veröffentlichen und das Feld beinahe ganz den Spezialisten überlassen. Dennoch ist auch der internationale Instrumental-Markt in den 00ern ziemlich unübersichtlich geworden und es entstanden etliche Nischen zwischen Oddisee und Flying Lotus. Seinen Platz sucht auch khaderbai, zur Zeit auf der handlichen Bandcamp-Plattform. Die Tags ‘St. Gallen’ und ‘Zürich’ müssen genügen, um khaderbai zu verorten, schliesslich geht’s ja nicht ums woher, sondern ums was.
Was, erklärt uns khaderbai gleich selbst im Intro woanders – mittels einer Zitatesammlung, die klarmacht, dass seine Musik hauptsächlich durch Kisten-Wühlen und MPC-Programmieren entsteht. Die englischsprachigen, gescratchten Samples liessen mich kurzzeitig lupenreinen Spät-90er Boom Bap erwarten, doch erfreulicherweise wird hier nicht auf Nostalgie gemacht, sondern widmet sich khaderbai der genügend anspruchsvollen Aufgabe, in sich stimmige Tracks zusammenzustellen.
Das filmreife wintertime inspiriert dann gleich schon mal dazu, die Lautstärke raufzudrehen, denn solch druckvoll swingende Drums und Bläser verlangen ganz einfach danach. Die Inspirationsquelle des Tracks könnte sich auf einem 70er-Jahre Soundtrack der Sparte Spaghetti Western befinden und khaderbai gelingt es, in der Tradition von Rjd2, The Herbaliser, DJ Format oder Quantic, daraus einen den Blick weitenden und doch direkt nach vorne gehenden Beat zu bauen.
shadow eröffnet mit einer traurigen Soulstimme, wie sie in der Zeit nach RZA aufgekommen sind. Dann setzt der Spieltrieb ein und es folgen Breaks und Tempiwechsel, die khaderbais Programmierqualitäten in den Vordergrund rücken. für D setzt auf gefühlvolle Melodiebögen aus dem Soul-Bereich, wie sie Anfang des letzten Jahrzehnts im Indie-Hip-Hop populär waren, wiederum variantenreich aufbereitet, ohne jedoch den Fluss des Tracks zu stören. Von abrupteren Wechseln profitiert dann aber ein-bruch, ein abwechslungsreich komponiertes Stück, dessen Retro-Flair selbst Mark Ronson aufhorchen liesse. ein-bruch klingt locker aus dem Ärmel geschüttelt und ist gerade deshalb ein klares Highlight hier.
Das schummrige eben könnte auch von Madlib sein, bloss würde der – möglicherweise zu recht – weniger lang dabei verweilen. return of clockers verwendet dasselbe Sample wie Primos Return Of The Crooklyn Dodgers-Beat, geht seinerseits jedoch eher in Richtung Easy Listening Hip-Hop, während september (eins) klassischer Kopfnicker-Shit ist. Eine echte Überraschung hält advent bereit, wo sich unübliche Scat-Stimmen den Lead mit einem typischen Piano teilen. Es folgen khaderbai beat #3 und khaderbai beat #5, bevor das längere dynamo die Auswahl stilvoll beendet, und zwar noch einmal mit jazzigen Acapella-Vocals.
Vor einigen Jahren stellte ich mir eine Mix-CD zusammen mit Instrumentals von DJ Krush, Pete Rock, Madlib, Rjd2, DJ Shadow, Tony D, The Herbaliser, den Waxolutionists, etc. Nicht wenige von khaderbais Tracks würden sich in dieser doch recht illustren Gesellschaft gut machen. Das kann man zwar eindeutig als Kompliment auffassen, aber es steckt auch ein Quentchen Kritik drin. Mit Ausnahme von advent hält krüml no.01 nichts bereit, was man nicht schon gehört hätte.
khaderbais Beats haben Seele, aber sie kommen irgendwie doch ein bisschen ab der Stange. Sie sind solide, aber eben auch ein wenig rückwärtsgewandt. Er hat Mut zur Länge, schliesst seine Tracks aber meistens ohne besonderen Plan ab. Trotzdem handelt es sich bei den 12 Beats um mehr als blosse Krümmel, und wer traditionellen, auf Samples basierten Hip-Hop mag, sollte sich diese erste Werkschau unbedingt anhören.
khaderbai – wintertime
Tags: hip-hop, instrumental, schweiz, st. gallen, switzerland, zürich

Oktober 5, 2011 um 11:43 pm |
i love the beats <3
Oktober 6, 2011 um 5:40 pm |
Folgende Korrektur auf Hinweis des Künstlers: return of clockers, obwohl Hommage an Return Of The Crooklyn Dodgers (besonders in der Drumprogrammierung), verwendet ein anderes Sample als Premiers Track.